Kirgistan

Gebirgslandschaft Kirgistan

Partnerschaftliche Entwicklungs- und Sozialarbeit

Global Team arbeitet seit 2015 mit zwei Partnerorganisation in Kirgistan. Das Arbeitsgebiet liegt hauptsächlich in der Region um die Hauptstadt auf ungefähr 800 m über dem Meeresspiegel am nördlichen Rand des bis zu 4.875 m hohen westlichen Teils des Tian-Shan-Gebirges, welches der Gegend nach Süden hin eine imposante Kulisse gibt. Es herrscht ein kontinentales Klima mit heißen Sommern, aber auch kalten Wintern. Folgende Projekte werden finanziell und mit Fachberatung unterstützt:

TAASIR - Entwicklung von Hilfsmittel für Kinder mit Behinderungen

Ende 2019 wurde ein Pilotprojekt für die örtliche Herstellung von Behindertenhilfsmittel für Kinder gestartet. Es gibt bisher keine therapeutischen Hilfsmittel, die lokal produziert werden und für betroffene Familien zur Verfügung stehen. Die Betroffenen nehmen, was sie kriegen können – jedoch kann sie kaum jemand richtig anpassen und einstellen. Es gibt keine Möglichkeit, ein Hilfsmittel vor dem Kauf zu testen, um sicherzugehen, dass es auch wirklich passt.

Seit Januar 2021 packen die Mitarbeiter vor Ort die Marktlücke an: Es wurden Prototypen eines Therapiestuhls und einer Gehhilfe so weit entwickelt und getestet, dass sie in einer kleinen Stückzahl gebaut und verkauft werden können. Damit das Projekt langfristig die Situation in Kirgistan verbessert, werden die Stühle zu kostendeckenden Preisen verkauft – so soll das Projekt unabhängig von Finanzen aus dem Ausland werden.

Inklusion

Bei der letzten offiziellen Erhebung des kirgisischen Sozialministerium gab es in Kirgistan 25.346 behinderte Kinder (Stand 2012, Alter 0-18 Jahren). Davon lebten im Projektgebiet unseres Partners 250 behinderte Kinder ohne jedes Bildungsangebot.

Das Ziel des Projektes ist, dass eines Tages alle behinderten Kindern an diesem Ort eine Chance auf Bildung bekommen und möglichst nach Durchlauf des Förderprogrammes in eine Regelschule wechseln können.

Im Schuljahr 21/22 gibt es drei Förderklassen mit 16 Kindern (6 Mädchen, 10 Jungen). Aus dieser Gruppe erhalten sechs Kinder auch Physiotherapie. 18 Kinder werden über Hausbesuche betreut.

Seit Beginn des Projektes haben sechs Kinder den Übergang in eine Regelschule geschafft. Insgesamt profitierten 45 Kinder von dem Projekt, 38 davon regelmäßig.

Folgende Maßnahmen werden durchgeführt, um die o.g. Ziele erreichen zu können:

  • Förderklassen
  • Inklusionsprogramm in den Regelschulen
  • Familienbegleitung

Diese Arbeit setzt starke Akzente gegen die landläufige Meinung, dass diese Kinder eigentlich nutzlos und „förderungsunwürdig“ seien.

Die Behinderung der Kinder erfordert einen hohen Betreuungsschlüssel, was die Kosten in die Höhe treibt. Nach Abzug der Eigenbeiligung der Eltern verbleibt der monatliche Bedarf von ca. 200 Euro pro gefördertem Kind, den wir über Spenden finanzieren müssen (Stand: Nov. 2021).

Gewaltprävention

In Kirgistan gibt es weltweit die meisten Zwangsheiraten. Zwanzig Prozent der geschlossenen Ehen sind das Ergebnis von Brautentführungen. Frühe Schwangerschaften sind weit verbreitet. In den südlichen Grenzregionen zu Usbekistan und Tadschikistan gibt es noch die Praxis der Verwandtenehen.

Der Süden von Kirgistan ist stark patriarchalisch geprägte. Gewalt gegen Frauen kommt in allen Gesellschaftsschichten vor. Sie werden belästigt, diskriminiert und vergewaltigt, manche sogar getötet. Allein im Jahr 2019 wurden nach Angaben des Innenministeriums mehr als 8.000 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, von denen aber nicht einmal sieben Prozent vor Gericht kamen. 2018 starben 68 Menschen an den Folgen von häuslicher Gewalt. Die angespannte wirtschaftliche Situation in Folge der Pandemie verstärkt das Problem noch.

Gewalterfahrungen haben tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Opfer. Sie erleben Diskriminierung in allen Lebensbereichen. 2020 wurde deshalb ein Pilotprogramm unseres Partners Nasch Golos zur Gewaltprävention in der Stadt Jalalabad durchgeführt. Der Gouverneur der Provinz bat darum, diese Arbeit auf seine gesamte Provinz auszuweiten. Durch Aufklärung versuchen die Mitarbeiter der Gewalt gegenüber Frauen vorzubeugen. Religiöse Führer, Mitarbeiter von Behörden und Ehrenamtliche sollen dafür gewonnen und ausgebildet werden. Sie moderieren einen öffentlichen Dialog, durch den sich hoffentlich die Einstellung und Verhaltensweise der männlichen Bevölkerung ändert. Auf diese Weise erreicht das Projekt tausende von Menschen. Global Team unterstützt diese Arbeit finanziell.

Land und Leute

Der zentralasiatische, gebirgige Binnenstaat Kirgisistan hat eine Landesfläche von ca. 200.000 km² und etwa 6,2 Millionen Einwohner. Das Land grenzt im Südosten an China, im Norden an Kasachstan, im Südwesten an Tadschikistan und im Nordwesten an Usbekistan. Das Hochgebirge des Tianshans, mit Gipfeln bis 7439 m, trennt den Norden vom Süden des Landes.

KyrgyzstanDie Kirgisen (64,9 % der Bevölkerung) werden aufgrund ihrer Sprache den Turkvölkern zugerechnet und bekennen sich überwiegend zum sunnitischen Islam. Außerdem leben Usbeken, Russen Dunganen (chinesische Muslime), Uiguren, Ukrainer, Tadschiken, Tataren, Kasachen und Angehörige weiterer Ethnien im Lande. Anfang der 1990er Jahre lebten noch ca. 100.000 Deutsche dort; sie sind inzwischen mehrheitlich nach Deutschland ausgewandert.

Einen zentralen Platz in der kirgisischen Kultur nehmen Pferdezucht und Jurte ein und ist Ausdruck der historisch halbnomadischen Lebensweise. Der Stellenwert der Jurte lässt sich leicht an der Tatsache ablesen, dass die Nationalflagge das Gestänge einer Jurte um die obere Rauchabzugsöffnung (den Tündük) darstellt.

Das 1991 unabhängig gewordene Land übernahm eine vollkommen auf den Markt der Sowjetunion ausgerichtete Wirtschaftsstruktur. Die Restrukturierung derselben und die Privatisierung der Betriebe wurden zwar in Angriff genommen, gerieten aber immer wieder ins Stocken. Dennoch bekam die Regierung ein ökonomisches Grundproblem postsowjetischer Staaten, hohe öffentliche Ausgaben bei gleichzeitigem Einbruch der Staatseinnahmen, relativ gut in den Griff. Dennoch ist die Armut nicht zurückgegangen. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen leben 41 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosenrate wird 2017 mit 7,4 % angegeben. Ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor sind auch die im Ausland arbeitenden Kirgisen.

(Der obige Text wurde in weiten Teilen aus folgender Quelle entnommen: Wikipedia)